Presse Echo


SÜDKURIER
22.03.2017

Abwasser ist Thema bei Weltwassertag – Wasserkarawane bietet Besichtigung
Schüler besichtigen zum heutigen Weltwassertag die Hebeanlage am Ufersammler. Die Sorge um sauberes Wasser wird immer größer. Darauf macht die Überlinger Gruppe Wasserkarawane mit ihren Aktionen aufmerksam.
Mit ihren Aktionen will die Wasserkarawane das Thema ins Bewusstsein bringen und so möglichst viele Bürger erreichen. Auch die Aufbereitung des Trinkwassers bei der Bodenseewasserversorgung kann nicht die letzten Spuren von Arzneiwirkstoffen herausfiltern.
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Wasser ist Leben. Wasser liefert durch seinen steten, von der Sonne angetriebenen Kreislauf auch Energie. Das Pendant zum Wasser ist das Abwasser, dessen Reinigung vor allem aufgrund von biochemischen Rückständen immer mehr Mühe bereitet. Deshalb haben die Vereinten Nationen zum heutigen Weltwassertag das besondere Thema Wasser und Abwasser ausgewählt. Die kleine Gruppe Wasserkarawane aus Überlingen und Umgebung sorgt sich seit mehr als zehn Jahren um Wasserqualität und versucht mit Aktionen darauf aufmerksam zu machen.
„Wir haben versucht, die Schulen für dieses wichtige Thema zu erwärmen und zu Projekten zu motivieren“, sagt Doris Falkenstein von der Wasserkarawane. Doch die Vorstöße bei den Lehrern seien aufgrund des eng getakteten Lehrplans auf wenig Resonanz gestoßen, sagt Falkenstein. Dabei hält sie es für wichtig, „das Thema an die Jugend ranzubringen“, betont die engagierte Aktivistin: „Denn das wird einmal ihr Thema sein.“ Ja, bei genauerer Betrachtung werde „sauberes Wasser“ künftig wichtiger als Energie und Ernährung.
„Der Kampf um sauberes Wasser wird immer schwieriger“, erklärt Falkenstein. „Die Spuren von Medikamenten und Hormonen konzentrieren sich mit der Zeit. Es lässt sich nicht alles herausfiltern.“ Um das Thema Abwasser in einen Bezug zu Überlingen zu bringen, hat die Wasserkarawane in Kooperation mit der Stadt eine Besichtigung der Hebeanlage am Ufersammler organisiert, an der heute einige Schulklassen teilnehmen. „Einige Arzneiwirkstoffe werden in den Kläranlagen nur unvollständig abgebaut oder entfernt, sodass sie in Flüsse und Seen gelangen können“, ist beim Zweckverband Bodenseewasserversorgung auch nachzulesen.
Aufgrund der ständigen Verbesserung analytischer Verfahren sei es heute allerdings auch möglich, „zahlreiche Arzneiwirkstoffe und deren Abbauprodukte in sehr niedrigen Konzentrationen im Wasser nachzuweisen“. Deren Gehalt in den Zuflüssen sei ein Spiegelbild der Besiedlungsdichte. Die Konzentration der im Bodensee gefundenen Arzneiwirkstoffe hänge vor allem von der Entfernung zur Flussmündung, aber auch von Mischungsverhältnissen ab. So seien die meisten der in den Zuflüssen gefundenen Arzneimittelwirkstoffe in Seemitte gar nicht mehr nachweisbar. Das aus einer Tiefe von 60 Meter entnommene Rohwasser enthalte „nur sehr geringe Mengen an Arzneimittelwirkstoffen“, heißt es in der Darstellung.
Im aufbereiteten Trinkwasser sei neben mehreren iodhaltigen Röntgenkontrastmitteln in Konzentrationen von 0,000010 mg/L bis 0,000014 mg/L nur noch das Antidiabetikum Metformin in einer Konzentration von 0,000067 mg/L nachweisbar. „Nach den bisherigen Erkenntnissen“, schreibt der Verband vorsichtig, „liegen keine Hinweise vor, die auf eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit durch die Anwesenheit von Arzneiwirkstoffen im Trinkwasser hindeuten.“ Besorgt blicken Landwirte auf die sinkenden Grundwasserspiegel im Lande, die Umweltschützer auf die nach wie vor zu hohen Nitratwerte in diesem Grundwasser zurückführen. Die hohen Nitratwerte wiederum gehen zu einem Gutteil auf die intensive Landwirtschaft, insbesondere auf den Kunstdünger und die Gülle zurück. Das Trinkwasser kann jedoch auch im Kleinen für Kontroversen sorgen, wie der Disput in Lippertsreute und Ernatsreute zeigt.
Deren Quellen liegen auf der Gemarkung von Owingen, respektive Hohenbodman, doch deren Nutzung will das Stadtwerk aufgrund der schwierigen Lage einstellen – trotz guter Wasserqualität. Weiter westlich am Talgrund befinden sich die Taubentalquellen von Owingen, die die Kommune gerne nutzt. „Die sind leicht zugänglich und haben gutes, nitratarmes Wasser“, sagt Bernhard Widenhorn vom Owinger Bauamt. „Die anderen Quellen liegen tatsächlich an dem schwer und für Fahrzeuge gar nicht zugänglichen Abhang unterhalb des Turms“, erklärt Widenhorn. Insbesondere wenn einmal eine Leitung zerstört werde, könne dies zu größeren Problemen führen.

Trinkwasser für 147 Kommunen